Auch wenn Eilendorf in seinem Ortsbild bereits einige künstlerische Denkmäler aufzuweisen hat, bleibt manches dennoch der interessierten Öffentlichkeit nicht so leicht zugänglich. Es sind vor allem die Glasfenster und Mosaikarbeiten, die sich erst der Besucher der Kirchen und öffentlichen Gebäude vor Augen führen kann. Und da gibt es vor Ort doch einiges zu bestaunen.
Schon die Hauptpfarrkirche St. Severin besitzt eine Anzahl von Glasfenstern, die kurz nach dem II. Weltkriege von verschiedenen Glaskünstlern entworfen worden sind. Zu den bekanntesten gehören die drei Chorfenster von Wilhelm Rupprecht (1953-64 entstanden). In der Nachfolge der strengen geometrischen Kunstauffassung der früheren Aachener Kunstgewerbeschule entwickelte Rupprecht hier eine serielle, vertikale Bildkomposition aus verschiedenen, miteinander verschränkten Kreuzformen, wobei er im zentralen Chorfenster noch Symbole der Dreifaltigkeit (Geisttaube, Auge Gottes, Christuskreuz) integriert hat.
Ganz anders wirken die früheren Fenster von Heinrich Junker, die in den Jahren ab 1947 von der ortsansässigen Glasmalerei Sistermann ausgeführt wurden. Junker arbeitet mit sehr vielen weißen, durch feine graphische Linien gestaltete Scheiben, die Licht in den dunklen Raum bringen; zugleich setzt er auf diesen hellen Grund zahlreiche Schrifttexte, Einzelsymbole und Namen, aber auch ganze Umrissfiguren von verehrten Heiligen, was im Falle des Severinus-Fensters auch zu einer stilisierten Ansicht Eilendorfs mit Text „Schütze unser Dorf“ führt. Im Jahr 1950 entwarf Junker für die Turmseitenkapelle dann noch drei stark farbige Fenster mit eher heroisch anmutenden Ganzfiguren (Hl. Viktor von Xanten, Hl. Sebastian, Hl. Mauritius).
Einen mehr modernen Akzent setzen die Fenster im Seitenschiff von Walther Benner, der hier vor hellem Hintergrund jeweils eine fast floral anmutende Komposition aus farbigen Scheiben und eingebauten bunten Glasbrocken aufbringt. Benner, der aus Eilendorf stammt und mit seinen Fenstern in der Chorhalle des Aachener Domes berühmt wurde, hat hier noch weitere Spuren hinterlassen. In der Kapelle des Seniorenzentrums St. Severin entwarf er ein vergleichbares Glasfensterband aus farbigen Scheiben und Glasbrocken (1967).
Die stark farbigen, bewegten Glasfenster, die Benner 1968 für das Foyer und den Ratssaal
des ehemaligen Rathauses entworfen hatte, sind allerdings 2016 bei Umbaumaßnahmen ausgebaut und ins Depot des Suermondt-Ludwig-Museums verbracht worden. Der Verzicht auf einen Wiedereinbau erscheint noch heute als ein herber Verlust, zumal diese wichtige abstrakte Phase von Benner jetzt nur noch in einer Mosaikwand im Foyer der katholischen Grundschule Birkstraße zu erleben ist (1971).
Wenig bekannt ist, dass auch der Kirchenraum der neuen evangelischen „Versöhnungskirche“ großzügig mit Kirchenfenstern ausgestattet worden ist. Neben einem farbigen Band aus kleinen quadratischen Fenstern an der Südseite wird die Kirche im Chorraum durch ein schmales Fenster in Grau-(Grisaille-)Tönen und ein breites, bis zur Decke reichendes Glasfenster belichtet. Hier gestaltete Peter Thomas in Blau und Rot niederströmende Farbbahnen, die leuchtende Farbpunkte wie Kristalle mit sich führen – sicherlich auch ein abstraktes Bild für die fließenden Bahnen des Lebens und die herabfließende Gnade göttlichen Lichtes.
Ein Highlight der Glasmalerei befindet sich im Oberdorf in der Kirche St. Apollonia. Wer durch das Portal unter der vom Eilendorfer Bildhauer Bonifatius Stirnberg geschaffenen Figur der Heiligen in den Kirchenraum eintritt, mag zunächst fast geblendet sein von der Fülle der farbig erstrahlenden Glasfenster. Hier schuf Ludwig Schaffrath, einer der international bekanntesten Glasmaler, in den Jahren 1960/61 eine künstlerische Gestaltung, die ganz seinem Konzept einer Verbindung von moderner offener Architektur mit einer zeitgemäßen, abstrakten Glasfensterform entsprach. Ausgehend von dem parabelartig auf den Altar zulaufenden Raumprinzip entwarf Schaffrath jeweils seitliche Farbfelder über den Seitenschiffen, die in ihren horizontal und vertikal geordneten Strukturen dieser Raumbewegung nachfolgen.
Endpunkt und Zentrum bildet der Chorraum, der von zwei monumentalen, die ganzen Seitenwände umfassenden Glaswänden belichtet wird. Die für diese Zeit typische Arbeit von Schaffrath zeigt eine stark farbige Glasfensterauffassung, die mit Öffnung und Verdichtung der Einzelformen vor hellem Grund spielt. Sie spiegelt mit ihren Schichtungen und Reihungen, mit ihrer Abfolge von großflächigen Feldern und sehr kleinteiligen Parallel-Staffelungen ein künstlerisches Abbild dessen, was auch in der Außenwelt an vielfältigen Wegen und Schichtungen symbolhaft wiederkehrt.
Gerade mit Glasmalern wie Rupprecht, Benner und Schaffrath, die alle ihre künstlerischen Wurzeln in der Region haben, kann sich eine Gemeinde wie Eilendorf glücklich schätzen, einige bedeutende Werke dieser vielfach noch unterbewerteten Kunstform in seinen Mauern zu haben.
Adam C. Oellers