Der Wunsch nach Selbständigkeit ist den meisten jungen Menschen gemein, gleiches gilt auch für junge Menschen mit Handicap. Nur die Möglichkeiten, sich aus dem Elternhaus zu lösen, sind nicht so vielseitig und leicht umzusetzen. Um für die erwachsenen Kinder eine geeignete Wohnform zu finden oder zu schaffen, haben sich vor rund sechs Jahren einige Eltern zusammengeschlossen. „Aus dem Wunsch, dass unsere Kinder, die nun schon junge Erwachsene sind, möglichst selbst bestimmt leben können und auch mehr erleben sollen, als ihnen das Elternhaus häufig bieten kann, entstand die Idee einer eigenen Wohngruppe für junge Menschen“, erzählt Sonja Grau, selbst Mutter einer Tochter mit Handicap, über den Beginn des Projektes. „Wir hatten uns die Umsetzung allerdings einfacher vorgestellt. Allein über die Suche nach einem Grundstück und einem Investor vergingen Monate und Jahre und auch die Suche nach Mitbewohnern war ebenfalls eine Herausforderung“, weiß sie über die Anfangszeit zu berichten. Die evangelische Stiftung Hephat konnte dann schließlich für das Projekt als Investor und Betreiber des Hauses gewonnen werden.
Hier fanden die Eltern und zukünftigen Bewohner die passende Unterstützung für ihr Vorhaben. Ende 2019 konnte Sarah Keldungs, Teamleitung des Hauses, mit der Vorbereitungsgruppe starten. Die Zeit vor dem Einzug sollte dazu dienen, dass sowohl Bewohner als auch Betreuer sich kennenlernen können. „Leider kam genau in diese sehr wichtige Zeit das Corona-Virus. Die Bewohner brauchen unterschiedliche Unterstützung und es wäre schöner gewesen, wenn wir Betreuer mehr Zeit zum besseren Kennenlernen gehabt hätten“, beschreibt Keldungs die schwierige Situation vor dem Einzug. Trotz der Umstände im Vorfeld ist das Haus seit Mai 2021 bewohnt. Freundschaften haben sich entwickelt und es gibt viel Miteinander.
Tagsüber gehen alle acht Bewohner arbeiten, davon die meisten in den Lebenshilfe-Werkstätten in Haaren und Eilendorf. „Dies war auch einer der Gründe, warum wir gezielt ein Grundstück im Stadtbereich bzw. in Eilendorf gesucht haben“, erklärt Grau die Vorzüge des Standortes. „Die Fahrten zur Arbeit sind somit kurz und auch die Eltern wohnen alle in der Region. Darüber hinaus bietet Eilendorf eine sehr gute Infrastruktur und wir sind schnell im Grünen.“
„Inklusion geht davon aus, dass jeder Mensch von Geburt an mitten in die Gesellschaft hineingehört“ lautet die Philosophie der Hephata und das Haus in der Leinergasse ist ein tolles Beispiel für die Umsetzung dieser Lebensweise.
Zur Unterstützung sucht das Team in der Leinergasse noch Personal. Staatlich anerkannte Fachkräfte wie Pfleger, Erzieher und Heilerzieher sind herzlich willkommen das Haus kennenzulernen. Weitere Informationen finden Sie auf der Webseite der WG: www.WGLeinergasse.de