Im Gespräch mit Harald Baal: „Eilendorf wird vor Ort gemacht“

Anlässlich der Kommunalwahlen im September stellt sich OB Kandidat Harald Baal von der CDU den Fragen von Eilendorf Aktuell.

Eilendorf Aktuell: „Was lieben Sie an Aachen besonders und warum?“
Harald Baal: „Ich mag die Menschen, ihre Art, die Stadt, die Traditionen und die rheinische Gelassenheit und auch die Veränderungen. Ich bin selbst Aachener, in Burtscheid geboren und habe eine klassische Aachener Karriere absolviert, vom Kindergarten über Grundschule in Laurensberg, dann Couven Gymnasium und RWTH Studium. Beruflich und politisch bin ich ebenfalls heimatverbunden geblieben. Nur die kurze Bundeswehrzeit habe ich in Hamburg und Cuxhaven verbracht.“

E.A.: „Was mögen Sie nicht so gerne und was würden Sie als Oberbürgermeister von Aachen gerne ändern?“
H.B.: „Die Ungeduld und das, was der Aachener ‚knöttern’ nennt. Die Menschen erwarten Seitens der Politik eine gute Kommunikation und alle Bürger sollen in Entscheidungen mit einbezogen werden und diese sollen möglichst schnell umgesetzt werden. Das lässt sich häufig aber nicht vereinbaren. Wenn jedoch die Umsetzung nicht zügig vorangeht, stellt der Bürger diese in Frage. Die Bebauung ‚Auf Trimpersfeld’ ist ein gutes Beispiel für ein Projekt in Eilendorf, mit guten Diskussionen und dem Wunsch der Bürger auf schnelle Realisierung. Aber auf dem Weg zur tatsächlichen Bebauung muss Zeit investiert werden (Umsiedlung Bauhof, mögliches Einbringen privater Grundstücke, Planungsanpassungen, Haushalt, etc.) und das verstehen die Menschen oft nicht.“

E.A.: „Welches sind die Schwerpunkte und Ergebnisse ihres bisherigen politischen Engagements in der Stadt Aachen und auch in Eilendorf?“
H.B.: „Im eigentlichen Beruf bin ich Steuerberater und seit 1999 ehrenamtlich im Rat der Stadt Aachen tätig. Politisch liegen meine Schwerpunkte im Bereich Planung und Wohnen. An den Projekten Campus Melaten, Westbahnhof und aktuell Büchel habe ich mitgearbeitet. Ich nehme die Erfahrungen mit und treffe zum Beispiel bei ‚Trimpersfeld’ auf ähnliche Herausforderungen. Es ist eine spannende Aufgabe, im Innenbereich eines Bezirkes Wohnbereiche und gleichzeitig öffentlichen Aufenthaltsraum zu schaffen. Es sollen Freiflächen für Kinder entstehen und Treffpunkte für die Nachbarschaft, denn an diesen Stellen findet Austausch statt und nur so funktioniert unserer Gesellschaft.“

E.A.: „Welche Erfahrungen können Sie aus ihrem Beruf in die Politik einbringen?“
H.B.: „Es ist nie falsch mit Geld umgehen zu können, sagt der Steuerberater in mir. In der Politik kommen viele Berufsfelder zusammen und das Spannende ist, sich gemeinsam eine fachliche Sicht auf die Dinge zu erarbeiten. Unterschiedliche Interessen vereinen und schwierige Prozesse erklären, ist die Herausforderung dabei. Diese Aufgabe kenne ich auch aus meinem Beruf. Ich kann meinen Mandanten nicht nur das Ergebnis aus dem Steuerrecht präsentieren, es muss auch eine verständliche Erklärung dazu geben und diese Erfahrung bringe ich auch in die Politik mit ein.“

E.A.: „Wie geht es in der Zukunft weiter mit der Dezentralisierung der Aachener Verwaltung und der Stärkung der Bezirksämter?“
H.B.: „Aachen wird vor Ort gemacht, lautet der Wahlslogan der CDU und das gilt auch für die Bezirke und somit auch für Eilendorf. Der Weg der Dezentralisierung ist gut. Auch die Digitalisierung erlaubt es der Verwaltung, in Zukunft diesen Weg noch ein Stück mehr auszubauen. Die Resonanz aus den letzten Jahren ist sehr positiv, die Menschen können wieder viele Angelegenheiten vor Ort erledigen. Aber auch Bürger aus der Innenstadt können die Ämter in den Bezirken nutzen und müssen häufig keine Wartemarken ziehen und bekommen schneller einen Termin. Die Zeit zwischen Beruf und Familie wird immer weniger und mit den Bezirksämtern bietet die Stadt den Vorteil, einen Behördengang zügig zu erledigen. Die deutlich ausgebauten Ämter in den Bezirken entlasten somit auch die Stadt und in Zukunft ist geplant, diesen Weg noch weiter auszubauen.“

E.A.: „Eilendorf ist ein sehr vielfältiger Stadtteil mit Menschen aus allen Schichten der Gesellschaft. Damit dies so bleibt müssten Mieten stabil bleiben, Schulen und KiTas, Gewerbe und ärztliche Versorgung erhalten und ausgebaut werden. Mit welchen Ideen kann Politik hier entgegenwirken?“
H.B.: „Schwierig ist die Unsicherheit für die Menschen, sie wissen nicht was kommt. Kann man in Zukunft noch die Wohnung wechseln? Diese fatale Situation entwickelt sich von der Innenstadt in die Außenbezirke und bringt Ungewissheit. Viele Menschen wohnen gerne in den Bezirken und auch Eilendorf ist größer als vor 20 Jahren. Dadurch wird die Gemeinschaft gestärkt, Sportvereine, Vereine, Kirche, Institutionen und Freizeitangebote bekommen so mehr Zulauf. Es macht den Stadtteil lebenswert und bunt. Und es wird in Zukunft auch viel investiert, wie zum Beispiel den Um- und Ausbau der sehr gut genutzten Montessori-Grundschule und dem neuen Kinderhaus. Die Politik kann nicht alle Belange bestimmen, aber durch Modernisierung und Vermittlung kann Politik helfen, Eilendorf attraktiv und lukrativ, zum Beispiel für Ansiedlung von Fachärzten, zu machen. Die Stadt Aachen kann über Berufsverbände und Kammern politische Themen und Interessen der Bürger zusammenführen und platzieren.“

E.A.: „Bis zu den Kommunalwahlen am 13. September 2020 ist nicht mehr viel Zeit und der Wahlkampf in Corona Zeiten sicherlich sehr schwierig. Wie möchten Sie in Zukunft den Kontakt zu den Eilendorfer Bürgern pflegen?“
H.B.: „So wie es die Situation zulässt, gehe ich auf die Menschen zu. Einzelne Kontakte sind ja wieder möglich. Viele sprechen mich auch an und in Eilendorf ergeben sich bestimmt noch Möglichkeiten sich zu zuhören und Probleme anzusprechen. Wichtig ist aber auch die Zeit nach dem 13. September. Den Weg nach Eilendorf suche ich auch nach der Wahl, da mir die Interessen Eilendorfs wichtig sind.“

E.A.: „Vielen Dank für das Gespräch.“