Sommerroman

Lucian Wing ist seit vielen Jahren Sheriff in einer beschaulichen Gemeinde im amerikanischen Neuengland Staat Vermont. Seine Devise, die er von seinem Vorgänger übernommen hat, lautet: den Dingen seine Zeit und seinen Spielraum lassen. Bisher ist Wing damit gut gefahren in seinem Landkreis, in dem es meist nur kleinere Verbrechen gibt – Einbrüche, Verkehrsdelikte und am Wochenende Schlägereien. Sheriff Wing regelt das souverän und mit Erfolg. Denn er kennt seine Leute und ruht in sich, auch als sich ein Konflikt ganz anderer Art anbahnt. Reiche Russen aus New York sind hergezogen. Mafia-Typen, im Roman nur „Die Investoren“ genannt. Sie haben in Wings Landkreis eine Villa gebaut. Dort wird bei einem Einbruch ein Safe gestohlen, der offenbar gefährliche Papiere enthält. Der Dieb ist rasch ausgemacht, es ist der Dachdecker Sean, genannt „Superboy“. Attraktiv, sexuell sehr aktiv, aber „nicht die hellste Kerze in der Kirche“ – und notorisch kleinkriminell, also einer von Sheriff Wings Pappenheimern. Und ebenso rasch tauchen üble Gestalten auf, die ihn jagen. Der Sheriff versucht nun, die Sache wie gehabt auf seine Weise zu regeln – damit die Russen den Safe zurückbekommen, ohne dass sie hier Leichen hinterlassen, auf „Die sanfte Tour“ halt. Wing lässt sich einiges an Unfreundlichkeiten von seinem diensteifrigen zweiten Sheriff gefallen. Er hat viel Zeit, um zu meditieren, was es mit dem Leben auf sich hat. Und während man das liest, muss man mehr als einmal laut lachen über diesen besonderen Gesetzeshüter, der eigenwillig und nur scheinbar machtlos die Leute manipuliert und gegeneinander ausspielt und alle Angriffe gegen sich ins Leere laufen lässt. Castle Freeman „Auf die sanfte Tour“, 9783312010141, Verlag Nagel & Kimche, 19 Euro, 192 Seiten Marcel Emonds-pool Buchhändler