Erholungsgesellschaft

Vor wenigen Tagen schien noch alles in bester Ordnung gewesen zu sein. Nach einem Jahr schöpferischer Pause hatte die Volksbühne Erholungsgesellschaft Eilendorf angekündigt, im Herbst wieder auf die Bretter, die angeblich die Welt bedeuten, zurückzukehren und ihr Publikum im Saalbau Kappertz mit einem neuen Stück zu begeistern. Und das mit der schöpferischen Pause darf man durchaus wörtlich nehmen, denn mangels geeigneter Stücke für ein Ensemble, das dem demographischen Wandel genau so unterworfen ist wie auch im allgemeinen der Gesellschaft, hatte man sich kurzerhand entschlossen, mit dem ganzen Ensemble selbst ein Stück zu schreiben, das – so viel darf verraten werden – in einem Altenheim spielt.
Und nun das: Auf Grund einer schweren Erkrankung fällt der Spielleiter der Erholungsgesellschaft, der zugleich der männliche Hauptdarsteller des Stückes sein sollte, auf unabsehbare Zeit aus. Der Vorstand und das Ensemble sahen sich auf Grund dessen genötigt, die komplette Spielzeit abzusagen. Pressegespräche waren bei der Erholung neben der Sachinformation auch immer „jecker Verzäll“, bei dem viel gelacht wurde. Das war in diesem Fall leider das genaue Gegenteil, konnte man doch deutlich spüren, dass die Absage allen Mitwirkenden an die Nieren ging und manche Träne nur mit Mühe zurückgehalten wurde. Es sei nur ein Glück im großen Unglück, so Vorsitzender Bernd Thomas, dass der Rückschlag so früh erfolgt sei, denn es sei nicht auszudenken, was es bedeutet hätte, wenn schon Plakate und Programmhefte gedruckt oder gar Eintrittskarten bereits in den Vorverkauf gegangen wären.
Trotz der überaus gedrückten Stimmung gibt man bei der Volksbühne die Hoffnung nicht auf, dass es ein Morgen geben wird und das neue Stück dann eben im kommenden Jahr zum 130jährigen Bestehen der Erholungsgesellschaft als durchschlagender Erfolg auf die Bühne kommen wird.